Was tut ein Kanadier, wenn er Dinge besitzt die er nicht mehr braucht, die aber noch zu gut sind um sie in den Muell zu schmeissen. Nun, er beschliesst einen Garage Sale zu machen. Dazu pilgert er zuerst zum Gemeindeamt, um diesen anzumelden (erlaubt ist ein Garage Sale jaehrlich pro Haus) und um seinen Tribut von CAD 15,- zu entrichten. Dann faengt er an, emsig Schilder zu basteln, welche die Aufgabe haben, am Tag des Garage Sales die potentielle Kundschaft zu ihm zu fuehren. Dann wartet der Kanadier ca. 2-3 Tage vor dem Verkaufstag ab und haengt seine Schilder (vorzugsweise an Stopschilder und Ampeln - weil da ja jeder stehen bleiben muss und Zeit zum Lesen hat) an den verschiedensten Strassenecken auf ... am Tag des Garage Sales oeffnet er seine Garage (na no net, sonst haserts jo net Garage Sale) und schleppt die potentielle Verkaufsware ins Freie... und wartet auf Kundschaft, die sich auch sehr zahlreich einfinden wird .... das glaubt ihr nicht? Garage Sale ist hier kulturell seit Jahrzehnten verankert und ganze Pilgerstroeme von Autos (viele aus aermeren Gegenden) fahren am Samstag von Garage Sale zu Garage Sale. Auch wir waren life dabei ... und man muss sagen, da kann man noch echte Schnaeppchen machen (viele Verkaeufer wollen das Zeug einfach weiter haben, Preis spielt da keine grosse Rolle, oder es ist ein Sozialer Event der Verkaeufer, wo sich Nachbarn Jahr fuer Jahr zusammentun und einen Garage Sale mit Kaffee und Kuchen und gemuetlicher Plauderei machen). Unsere Beute koennt ihr zum Schluss bewundern ...
Donnerstag nachmittag: Die ersten Schilder erscheinen zaghaft ...
und ... so schauts dann am Samstag an manchen Ampelkreuzungen aus ... (Ampelkreuzungen an Hauptstrassen sind sehr beliebe Schilderplaetze)
und los gehts ... von Garage zu Garage ...
... dies war eine Garage einer guten Bekannten hier ... diese organisieren jaehrlich einen Street-Garage-Sale (d.h. die gesamte Strasse tut mit, das zieht natuerlich auch mehr Kundschaft an ... und wird oft zusaetzlich noch im Internet oder in der Zeitung angekuendigt)
Ich hab dort einen Haufen Kinderbuecher ergattert ...
Und fuer die Landsmaenner von Beaconsfield (und anderen Gemeinden), denen die Organisation eines Garage Sales zu kompliziert ist, fuer die organisiert die Gemeinde jaehrlich einen Treasure Hunt. Das funktionniert wie folgt. Wer will stellt an diesem Tag seine Habseelingkeiten z.B. Moebel, Spielzeug ... die er nicht mehr braucht vor die Haustuere. Jedermann darf dann an diesem Tag von Haustuere zu Haustuere gehen/fahren und sich die Dinge nehmen, die er will und braucht. Alle Habseligkeiten, die am Ende des Tages noch vor den Haustueren stehen, werden dann von einer karitativen Organisation abgeholt und in deren Laeden verkauft. Die Erloesen gehen an die Beduerftigen dieses Landes (meist in Form von Gratis Essen in Suppenkuechen). Es wurden hier 3 Fliegen mit einer Klappe geschlagen: 1. Die erste Partei kann sich bequem seiner Habseligekeiten entledigen. 2. Viele Leute aus aermeren Gegenden nutzen diese Events um Gratis zu Moebeln, Kinderspielzeug, Gewand, Werkzeug usw. zu kommen. 3. Karitative Organisationen profitieren auch an diesen Tagen ...
Ich persoenlich finde, dass diese beiden Formen der Wiederverwertung von Ausgedientem durchaus auch in unseren Breitengraden nachahmenswert waeren und auch ein Beitrag zum Umweltschutz darstellen .... denn alles was nicht Neu gekauft werden muss braucht nicht produziert werden.... aber das ist eine andere Geschichte.
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